
Liebe Bücherinteressierte,
Mit Else Buschheuer, ex@frau begann unser Programm 2026. Das fertige Manuskript kam im September letzten Jahrs, und ich konnte nicht aufhören zu lesen, obwohl ich eigentlich in der Hochphase der Gestaltung der Jubiläumsausgabe von "Mein heimliches Auge" war und nichts anderes hätte tun dürfen, schon gar nicht mich ablenken mit einem neuen Buch im Programm, das meine volle Aufmerksamkeit erfordert. Der autofiktionale Text erzeugt intensive Empfindungen beim Lesen. Die Hauptfigur tanzt Tango in der queeren, auch in der Heterotangoszene, die Rollen ändern sich.lösen sich auf, auch die Beziehung zur Mutter ändert sich (die Mutter ist dement) auf überraschende und befreiende Weise, und das alles knapp, direkt, berührend, überraschend und mit vielen Anregungen zum Nachdenken erzählt ... Vor kurzem ist nach langer Lektorats- und Gestaltungsarbeit ein weiteres autobiografisches Buch in Druck gegangen: Rose Marie Dähncke. Ich schlimme Dame. Bekenntnisse einer Hundertjährigen - Das Wort "Autobiografie erschien der inzwischen 101-jährigen Autorin zu längweilig. Eine spannende und unterhaltende Lektüre, eine Reise durch 100 Jahre in knappen Szenen und mit vielen Bilderm. Jetzt beginnen wir mit der Auswahl der Text- und Bild Beiträge des neuen Konkursbuch "Natur" - mir scheint, es wird ein wunderbares Kaleidoskop.
Bei mir hält die Freude über die große, schöne Überraschung auf der Frankfurter Buchmesse an: die Würdigung unseres Gesamtprogrammes durch einen der drei Spitzenpreise des Deutschen Verlagspreises Von einer unabhängigen Jury wurden 80 Preisträger ermittelt, dazu drei "Spitzenpreisträger". Bis zum Abend der Preisverleihung (am 15.10.2025) wusste niemand, wer die drei sind. Beim alphabetischen Aufrufen der Preisträger wurden wir unter "K" ausgelassen (ich dachte, wir wurden unter "V" wie "Verlag Claudia Gehrke" eingeordnet, das passiert öfter mal, Berndt Milde dachte zuerst, wir wären vergessen worden - doch auch unter "V" wurden wir nicht aufgerufen, sondern bei Bekanntgabe der drei Spitzenpreise - an den März Verlag, den Unrast -Verlag und an uns).
Der Jury-Vorsitzende Jörg Albrecht (rechts im Foto) in der Preisrede:
"Wer allein beim Namen an Bankrott denkt, hat noch kein Buch aus dem Konkursbuchverlag gelesen. Denn was Claudia Gehrke als Verlegerin seit 1978 von Tübingen aus gestaltet, besinnt sich auf
die ursprüngliche Bedeutung des Wortes »Konkurs«: ein Zusammenlaufen, ein Aufeinandertreffen.
Das Programm sprüht vor Lust und übt sich in verlegerischer Vielfalt: Das dem Verlag den Namen gebende Jahrbuch mischt sinnlich Wissenschaft, Literatur, visuelle Kunst und Alltagskultur. Das
Lesebuch über La Palma setzte Maßstäbe für Reiseliteratur. Außerdem erscheinen Gedichte, Prosa, Essays, kunstvolle Thriller und erotische Romane. Neben den bekanntesten Autorinnen Regina Nössler
und Yoko Tawada gibt es viele weitere, die mit ihren starken Handschriften dem Verlag verbunden sind. Die Reihe Mein heimliches Auge zeigt das multisexuelle, queere Leben in unserer Gesellschaft.
Und in der Verlagsrevue kann man Literatur live und lustvoll erleben. Ein Credo des Verlags lautet: 'Viel Spaß beim Blättern durch Bücher und durch Körper!'" Vielen Dank an die Jury!
Ebenso sehr freuen wir uns über den Nelly-Sachs-Preis für Yoko Tawada, der im 14.12.2025 in Dortmund verliehen wurde!
Und wie immer habe ich viel zu viele Leseanregungen. Verlagsbücher und Bücher aus anderen Verlagen - einen persönlichen Rückblick auf Bücher & Leben 2025 finden Sie in Alf Mayers jährlich an Silvester erscheinende wunderbare Zusammenstellung von Rückblicken - "Highlights 2025" - ich freu mich schon aufs nach und nach Lesen der vielen Beiträge -.
Die weltpolitische Lage erfordert kritisches Nachdenken: Eine Leseanregung bleibt unser Konkursbuch "Freiheit". Bei uns lässt sich ineinander übergehend politisch über Freiheit oder Schönheit debattieren, lieben und Pflanzen bewundern. Postitionen begegnen sich, stehen sich nicht, wie oft mit den vielen "Blasen" unversönlich gegenüber.
Um Politik, poltische Szenen an den extremen Rändern, und Liebe geht es auch in YokoTawadas neuem Roman "Eine Affäre ohne Menschen" – erzählt aus ungewöhnlicher Perspektive - aus der von Gegenständen, und ryhtmisch gefliedert durch auch anfänglich beim Lesen ungewöhnliche Zeichensetzun, mich hats sofort hineingerissen, in dem Rhythmus las ich atemlos bis zum Ende...in Regina Nösslers neuer Thriller "Ein widerliches kleines Gefühl" ist alles auf unheimliche Weise miteinander verwoben, ein Junge driftet ab in eine Parallelwelt, zugleich dreht sich das Leben von Evelyn, seiner Nachhilfelehrerin, in eine gänsehauterzeugende Richtung, als eine Mitschülerin nach dreißig Jahren plötzlich bei ihr auftaucht ...
Vor Kurzem erschienen sind ein literarisches Tagebuch / zugleich Sachbuch "Die letzte Reise" mit Interviews und vielen Informationen über die Möglichkeit, gut zuhause den letzten Weg zu gehen - hier gibt es mehr zum Thema
Viel Spaß beim Blättern in unserem Verlagsprogramm.
herzliche Grüße,
Ihre
Claudia Gehrke, Verlegerin
PS: ein kurzer Text im Buchmarkt und ein längeres Interview der Salonkolumnistin mit mir zu den erotischen Jahrbüchern.
Hier finden Sie einige Fotos zur Verlagspreisverleihung 2022. Einige von 2025 folgen bald.
Unsere Bücherlieder: "Das Lied vom Lektor" und "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Bücher eingestellt" und das Lied zur Buchmesse.
