Sigrun Casper: Zeitlos dein Lächeln. Erotische Gedichte.

Leseproben


Katzensong

An meiner Tür hör ich ein lautes Kratzen

Als ich sie öffne, steht ein Kater dran

Dem sag ich gleich, ich hab was gegen Katzen

Bin keine Katze, schnurrt er nur, ich bin ein Mann

 

Geh weg, komm her

will nichts, will mehr

 

Er tritt herein und streicht mir um die Beine

Kaum seufze ich, springt er mir auf den Schoß

macht einen Buckel, Mätzchen macht er keine

Lässt sich nicht kraulen, krallt mich Stoß um Stoß

 

Geh weg, komm her

will nichts, will mehr

 

Und eh ich mich verseh, bin ich die Katze

Miaue laut und streck die Pfoten aus

Er aber springt mit einem langen Satze

von mir herunter satt aus meinem Haus

 

Geh weg, komm her

will nichts, will mehr

 

Und wenn ich's wieder bei mir kratzen höre

Und einen Buckel mach und schreie: Nein!

Schmeichelt er mir, bis ich mich nicht mehr wehre

Ich lass ihn jedes Mal zum letzten Mal herein

 

Geh weg, komm her

will nichts, will mehr

 

© konkursbuch Verlag Claudia Gehrke


Sommer

Weißt du noch

Es ist schon viele Sommer her

Oder war es letzten Sommer

Ach, du weißt es nicht mehr.

Wir wollten uns lieben

Im hohen Gras

Es gab keinen Schatten

So warteten, warteten wir

Aufs Ermatten

Des höllheißen Tages

Wie durch Glas

Lilablaues Kirchenfensterglas

Von allen Kirchen der Welt gestückt

Stierte der Himmel

Auf unsere unverbrämten

Lüsternen Körper,

Bis wir uns schämten.

Dann schliefen wir,

Zusammengerückt.

Weißt du noch?

Es ist schon viele Sommer her

Oder war es letzten Sommer

Ach, ich weiß nicht mehr.

 

© konkursbuch Verlag Claudia Gehrke


Noch ganz nah

Müde Frauen Sonne zwischen Schenkel

Hundekläffen fröhlich hin und her

Mädchenlächeln wild und oben unten

Das wär was, du und ich

Zwei Gaukler im Blau

Aus dem Tümpel komm du grüner Gott

Zunge deine Lack auf meine Haut

Leise Felle kugeln über Runden

Das wär was, hier und jetzt

Mein Hintern im Kies

Blätter, Federn, Gras und die Gerüche

Einen Wimpernschlag für einen Kuss

Augen offen Funken noch nach Jahren

Das wär was, hin und rück

Du bunter ich süß

 

© konkursbuch Verlag Claudia Gehrke