Rose Marie Dähncke: Kurzform meiner Biografie

Rose Marie Dähncke schrieb uns für die Herbstvorschau 2026 eine Kurzform ihrer Biografie ...

Die Geschichte beginnt mit einem jungen Ehepaar aus Ostoberschlesien, das um 1850 mit den Goldgräbern nach Neuseeland auswanderte und in einem Camp eine Bäckerei führte. Sie bekamen fünf Kinder. Das jüngste Kind wurde meine Großmutter. Hatte sie etwas von einer Maori? Es gab Gerüchte von einem „Eingeborenenfreund“ der Mutter.  Als sich Reichtum angesammelt hatte, ging die Familie zurück in die Heimat und kaufte ein Hotel in Sommerfeld. Man munkelt, die jüngste Tochter  hätte den Siebenschleiertanz dargeboten, jedenfalls heiratete sie in ein Rittergut ein und bekam zwei Kinder. Der Sohn war mein Vater. 

Als Kleinkind lebte ich bei den Großeltern auf dem Rittergut. Als ich sechs war, zogen wir nach Fürstenwalde. Meinen Vater sah ich wenig, als Vermessungsingenieur war er immer an großen Baustellen. Als ich 14 war, brach der Krieg aus. Mit 15 Jahren ging ich für zwei Jahre an die Handelsschule in Berlin. Mit 17 wurde ich Sekretärin des höchsten Offiziers in Fürstenwalde, dem Leiter des Pionierparks. Als die Pioniere abzogen, wurde ich Sekretärin bei einem Bauunternehmer in Müllrose. Der schickte mich unterernährtes mageres Mädchen nach Berlin, um im Hitlerbunker eine Riesensumme Geld zu kassieren. Er selbst hatte Angst, es könnte ihm etwas passieren. Ich fragte mich, in welch dubiose Geschäfte mit der Hitlerregierung er verwickelt war. Bei ihm hielt ich es nicht lange aus, denn er stellte mir unangenehm nach, ich kündigte und wurde  zu einen Schweißkursus  eingezogen. Ich machte das sehr gut. Doch als ich dann in einem Betrieb Punktschweißen in Akkordarbeit verrichten sollte, eine ganz furchtbare Arbeit, schaffte ich es mit vorgespielten Ohnmachten, mich aus diesem Arbeitsverhältnis zu befreien. Man setzte mich danach als Sekretärin beim OKW, Oberkommando der Wehrmacht, ein. Das befand sich im Villenviertel in einem beschlagnahmten Haus, in dem ich furchtbar fror, denn es waren keine Kohlen da, um zu heizen. Als das OKW sich vor den Russen nach Berlin zurückzog, flohen meine Mutter und ich nach Lübeck, wo wir Verwandte hatten. Meine Mutter hatte sich scheiden lassen, und mein Vater war zur OT, Organisation Todt, eingezogen und wurde später vermisst. 
In Lübeck bekam ich Arbeit als Chefsekretärin an der Hautklinik. Als ich eines Tages spazieren ging, fand ich große, sehr attraktiv aussehende Pilze. Irgendwie schlug das ein wie ein Schicksalsschlag, als käme da etwas auf mich zu, das nur für mich da war. Ich besuchte Pilzkenner. Auf der täglichen Busfahrt zur Arbeit lernte ich meinen Mann kennen, und wir heirateten. Ich wusste nicht, dass er ein Frauenhasser war, bekam es dann immer mehr zu spüren. Im zweiten Ehejahr kam mein Wunschkind zur Welt, und ich sollte das erste Mal umgebracht werden. Zwei weitere Mordversuche habe ich überlebt. 20 Jahre habe ich diese Ehe ertragen, damit meine Tochter eine ‚normale‘ Familie hat. In den Schulferien entflohen wir der Ehe und bereisten abenteuerlich auf billigste Tour die Nachbarländer. Als meine Tochter schon selbständig war, nahm ich mir eine Auszeit und verbrachte mehrere Wochen in Paris, wo ich mit dem Reitstall des Grafen Montpellier im Bois de Boulogne ausritt. Als meine Tochter kurz vor dem Abitur stand, wollte auch mein Mann die Scheidung. Ich ließ ihm das Reihenhaus und zog nach Hornberg im Schwarzwald, wo ich Leiterin der dortigen Pilzschau wurde. Die Pilze bestimmten von da an mein Leben. Ich machte viele Bücher, darunter Bestseller, und verdiente auch durch erfolgreiche Kurse. Bei einem Besuch von La Palma verliebte ich mich in die Insel und kaufte kurzentschlossen eine schöne Finca, wo meine Tochter die ersten vier Jahre mit mir das wunderbare Haus bewohnte und dann in einem eigenen Haus ihre kleine Familie gründete. Sie musste niemals arbeiten, ich habe sie immer gut versorgt und auch ihren Sohn 15 Jahre lang unterhalten, damit er studieren konnte und ein gutes Leben hatte. Als ich 90 wurde, hat mich meine Tochter ohne den geringsten Grund verlassen. Ihr Sohn musste natürlich zu ihr halten, aber er war dann total durcheinander, weil er das nicht verstand. Und jetzt lebe ich in meinem kleinen Altenteil in der warmen Zone dicht am Meer, werde vollkommen versorgt von einem jüngeren palmerischen Ehepaar und habe 101 Jahre erreicht. Soweit die Biografie. Anschließend folgen biografische Episoden über den Alltag auf dieser vielseitigen Insel. 


Filmstoff ...?, fragt die Autorin. Auf jeden Fall ein schönes Buch, 
Geschenktipp für alle an Biografien Interessierten.