Dagmar Fedderke: Notre Dame von hinten

Leseprobe


Paris ist eine Stadt für Frauen. Jede Frau wird hier wie eine Königin behandelt und fühlt sich durch all die Liebenswürdigkeiten, die ihr entgegen gebracht werden, geschätzt, verwöhnt, wie auf Händen getragen. Und vor allem schön. Auch am häßlichsten Entlein entdecken die Franzosen noch das eine, und sei es noch so kleine reizvolle Detail. Treffsicher loben sie es. Und das häßliche Entlein, das vielleicht eine unschöne Figur, aber ein hinreißendes Lächeln hat, kann trotz der dicken Beine durch Paris segeln wie ein schöner Schwan. Pariserinnen haben übrigens einen ganz besonderen Gang. Sie knallen energisch die Hacken auf und setzen die Füße in den Klack-Klack-Schuhen rechts und links nach außen. Die Knie sind durchgedrückt, der Schritt schnell, die Haltung gerade. Keine Ausländerin kriegt das hin, und wenn sie noch so lange in Paris lebt.

 

[…]

 

Paris ist eine Stadt der so viel versprechenden Erotik, der Passion, der Leidenschaft, die Betonung liegt auf dem Leiden, Paris die Stadt der Liebe, ist genauso sehr eine Stadt des Liebeskummers. Eine Stadt der Sehnsucht. Eine Stadt für einsame, für Träumer, die gar nicht wirklich die Erfüllung der Sehnsüchte suchen, vielleicht sogar aus Angst vor dem sogenannten Glück.

Ein idealer Lebensraum für alleinstehende Frauen mit Phantasie...

 

© konkursbuch Verlag Claudia Gehrke