Leseproben aus "La Palma. Die Canarische Insel". Texte von Wulf Göbel.


Herr Trinks, aus "La Palma. Die Canarische Insel"

Weg nach Fuencaliente. Eine Wanderung

 

Heinz Trinks müsste schon länger nachdenken, wann er das erste Mal auf La Palma war. Die Landschaft hatte es ihm angetan, die steilen Berge, La Cumbre, die Lorbeerwälder, der Passat – und nicht zuletzt die Leute hier. Heidelberg war schön, gewiss, der Neckar, die Alte Brücke, die Fußgängerzone. Aber gegen La Palma war Heidelberg ein eingetragener Verein. Er war den Tag in der Cumbre gewesen, vom San Juan den Weg in den Süden, und wollte, bevor es dunkel wurde, wieder unten sein in Fuencaliente. Das hätte auch prima geklappt, wenn da nicht dieses Haus gewesen wäre in den Weinbergen, mit den vielen Menschen, die irgendetwas zu feiern hatten. Das Lachen und Singen hörte er schon von Weitem, und er dachte daran, dass die Leute hier noch zu feiern verstünden, noch froh sein konnten, wann immer sie wollten, im Vergleich zu seinem griesgrämigen und verplanten Heidel-Town: heiter waren.

 

Ja, genau, das war das Wort: heiter. Und fast hatte er damit gerechnet, dass er auf ein Gläschen ins Haus gebeten würde, und fast wäre er enttäuscht gewesen, wenn es nicht so gewesen wäre. Es war aber so, und er nahm dankend an. Aber nur ein Gläschen, ein winziges, una copita. Herr Trinks hatte diese liebenswerte Bescheidenheit, und außerdem sollte er eigentlich keinen Alkohol trinken wegen seiner Arthrose. Von einem alten, aber würdigen Herrn nahm er dankend den vollen Becher entgegen, hielt das Glas gegen das Licht und trank einen guten Schluck.

 

Schmecktʼs dir, wurde er gefragt. Ja, sehr, sagte Herr Trinks. Und er hätte noch vielerlei Artigkeiten über den Wein sagen mögen, über die Farbe, das Feuer, die süffige Trockenheit. Allerdings nur auf Deutsch. Und deutsch konnte hier keiner. Also sagte er nach einem weiteren Schluck, ja sehr. Und um die kleine Pause zu überbrücken, die womöglich dadurch entstand, dass die Leute auf seinen weiteren Kommentar warteten, den er zu ihrem Wein abgeben würde, sagte er, höflich, wie es seine Art ist, noch einmal „Salud“ und trank zügig aus. Ah gut. Noch ein Gläschen?, fragte der Alte. Und, ohne die Antwort abzuwarten, bestimmte er, dass Heinz Trinks noch eins trinken müsse. Und Heinz Trinks dachte bei sich, dass es nicht anginge und zudem als unhöflich missverstanden werden könnte, wenn er einerseits überschwänglich den wirklich guten Landwein lobte, aber zugleich ein zweites Glas ablehnte. Also nahm er dankend an, überschlug den Zuckergehalt und die Ablagerungen in seinen Knochen. Und sein Gesicht wurde etwas ernster, als er sah, wie sein Glas wieder randvoll geschenkt wurde. Jemand muss diesen Ausdruck bemerkt haben, denn er wurde besorgt gefragt, was denn sei, qué pasa?, und ob ihm der Wein nicht schmecken würde. Doch, doch, versicherte er schnell, denn der Wein war wirklich gut und süffig und sauber. Aber er habe noch nichts gegessen, und auf leeren Magen – Herr Trinks deutete auf seine Bauchgegend und ahnte, dass er einen Fehler gemacht hatte.

 

Der alte Herr rief irgendetwas in die Runde und sagte, indem er sich für seine  Unaufmerksamkeit entschuldigte, dass es gleich etwas zu essen gebe. In der Zwischenzeit könne man ja ruhig das Gläschen trinken, ein Gläschen würde den Appetit anregen. Gehorsam trank Herr Trinks an seinem zweiten Gläschen, und als er es halbvoll irgendwo abstellen und vergessen wollte, wurde es ihm aufmerksam nachgebracht und in die Hand zurückgedrückt. Danke, sagte Herr Trinks und spürte schon die verwabbelte Wirkung der beiden Gläser. Zum Essen – es gab Ziegenbraten, weißen Käse, Kartoffeln und Mojo – m trank Herr Trinks noch ein Gläschen, weil sich das so gehört und er sich dachte, wenn ich trinke, werde ich nicht beobachtet, und wenn ich nicht beobachtet werde, brauch’ ich nicht zu trinken. Aber irgendetwas schien nicht zu stimmen mit seinen Überlegungen. Nur wusste er nicht, was. Außerdem hatte er wirklich einen leeren Magen; das Essen tat ihm gut. Und, so hoffte er, es würde auch den drei Gläsern guttun, die mit jeweils 15 % Alkohol wärmend in sein Inneres sickerten. Außerdem war es ohnehin schon düster, und als ihm nach dem Essen der alte Herr sagte, nun müsse er aber noch auf das Geburtstagskind trinken, sagte Herr Trinks nicht Nein. Und auf die Insel, aber sicher. Und auf die Frauen dieser schönen Welt, das allemal. Und auf unsere Freundschaft, darauf nicht zuletzt. Und auf die Hänge von Fuencaliente, die jedes Jahr den guten Wein wachsen lassen. Prost! Und überhaupt auf das Leben!

 

Copyright konkursbuch Verlag Gehrke, aus "La Palma. Die Canarische Insel"


Wulf Göbel / Antonio Méndez: Die Eins mit dem Punkt

Das Fest zur »Herabkunft der Jungfrau vom Schnee«

aus "La Palma. Die Canarische Insel"

 

Seine Freunde rufen ihn Antonito. Dabei ist Antonio Mendez so klein nun auch wieder nicht, dass man ihn für einen Zwerg halten und einfach übersehen könnte. Dennoch: bei dem »Danza de enanos«, dem traditionellen Zwergentanz zur Bajada der Jungfrau de Las Nieves ist er, soweit er zurückdenkt, die Eins mit dem Punkt. Der erste Tänzer (Bailarín) der nach hinten größer werdenden Figurenreihe, der Schrittmacher sozusagen. Und Antonito Mendéz muss ziemlich weit zurückdenken: Schon seit 35 Jahren tanzt er bei dem Zwergentanz mit, mal als Muselmane, mal als Astrologe, mal als Dominikaner, immer aber als Zwerg. »Es ist ja so«, sagt er, und in seinen lebhaften Augen kündigt sich irgendeine Geschichte an, eine palmerische: »das Zwergenkostüm, der Kopf, die Perücke und der schwarze Hut, das gehört alles der Stadt. Die Stadt hebt die Kostüme auf, bessert die Sachen aus, nach dem Tanz ist das alles ziemlich ramponiert. Aber das andere Kostüm, das für die Verwandlung, das bekommen die, die mittanzen, geschenkt. Das ist so eine noble Geste von der Stadt, weißt Du. Und seitdem ich das Dominikaner-Kostüm habe, und das habe ich nun auch schon ein paar Jahre, fahre ich zum Carnaval jedes Jahr nach Teneriffa rüber und mach´ dort den Dominikaner, den frommen Mönch.« -

 

Und seine Augen, könnte man meinen, erzählen die Geschichte in die entstandene Pause hinein weiter. Weil: Es gibt offenbar Dinge, die ein Palmero, der etwas auf sich hält, nicht einfach so und schon gar nicht jedem weitererzählt.

 

 

 

Aus den Texten des Inselchronisten (1676):

 

Als der Prälat, Sr. D. Bartolomé Jiménez, Bischof der kanarischen Inseln, das Eiland San Miguel de La Palma im Jahr 1676 besuchte, herrschte als Folge ungünstiger Windverhältnisse und fehlender Niederschläge eine lang anhaltende Trockenheit. Über die tiefverwurzelte Frömmigkeit der Palmeros unterrichtet und eingedenk der Tatsache, dass die Statue der Jungfrau vom Schnee auf der gesamten Insel von alters her eine große Verehrung erfuhr, ordnete er per Dekret an, dass das Heiligenbild in einer feierlichen Bittprozession gegen die Dürrekatastrophe in die Hauptstadt gebracht werden sollte.

 

Die Kosten, so das Dekret weiter, der ersten drei Tage würde der Bischof tragen, die Restkosten jedoch sollten von frommen Palmeros bestritten werden. Angesichts des Erfolgs der Prozession und angesichts der tiefen Frömmigkeit und Hingabe, mit denen die religiösen Riten befolgt wurden, hat Bartolomé García Jiménez kraft seines Amtes angeordnet, die Madonna nunmehr alle fünf Jahre in die Pfarrkirche der Stadt zu bringen.

 

Weiterhin wurde verordnet, dass die nächste Prozession 1680 stattzufinden habe und von da an alle fünf Jahre im Februar. Die Unkosten des ersten Tages sollten vom Rathaus getragen werden, die des letzten vom Bischof, das Geld für die Wachskerzen jedoch von der Bevölkerung aufgebracht werden...

 

Die Palmeros (im Original werden sie »Naturales« genannt, Anm. d. Übers.) hatten schon seit langer Zeit und mit umfassender Hingabe die Fürbitte der Virgen de las Nieves bei den unterschiedlichsten Anlässen erfleht: bei Vulkanausbrüchen (als 1646 Schneefall den Vulkan Tigalate löschte, als 1712 der Vulkan EI Charco seinen Lavafluss einstellte, 1949, beim Ausbruch des San Juan), bei anhaltenden Dürrekatastrophen und Heuschreckenplagen (die letzte in den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts, Anm. d. Übers.), schließlich bei Plünderungen durch die Piraten und bei Stadtbränden (z. B. der vom 25.4.1770).

 

In der Stadtkirche sollte zum hohen Anlass der Anwesenheit der Statue ein Fest gefeiert werden.

 

»Al baño por ultima vez«.

 

Antonito macht eine Handbewegung an den Hosenschlitz und tritt auf der Stelle, als plagte ihn fürchterlicher Harndrang. »Wenn dieser Ruf ertönt, wenn wir also am Tag des Tanzes zum letzten Mal aufs Klo können, ist es zwei, drei Uhr nachmittags. Und danach ist nichts mehr, bis in den frühen Morgen, absolut nichts.« Das Gesicht von Antonito Méndez, eben noch Dominikaner und in tinerfenischen Karneval verwirbelt, bekommt einen fast schmerzlichen Zug. Die Erinnerung an die unzähligen Stunden und die vielen Male, als er - die Eins mit dem Punkt - beklatscht und bewundert als Zwerg durch die Stadt tanzte und sonstwas dafür gegeben hätte, endlich, in Ruhe und ausgiebig, austreten zu können. (Ob er das Gedicht von Allen Ginsberg kennt, wo einer durch ein Museum irrt auf der verzweifelten Suche nach einem Lokus? Nein, kennt er nicht. Aber er kennt das Gefühl, verlass Dich drauf! War nur eine Zwischenfrage).

 

»]a, und nach dem Gang zur Toilette beginnt die Prozedur des Anziehens. Das dauert endlose Stunden, bis die Beine zusammengebunden sind von den Knien aufwärts, bis der Zwergenkörper um die Oberschenkel und den Bauch modelliert ist, bis das Kostüm sitzt, die Weste, bis der Kopf angepasst ist und sie die schwere Perücke befestigt haben.«

 

Und als hätte er sich selbst das Stichwort gegeben, erinnert sich Antonito an die Sache mit der Perücke, eine Geschichte in der Geschichte, eine Puppengeschichte, die auch nur wieder Puppen hervorbringt. Diesmal aber mit Perücke.

 

»Also, früher, da hatten wir diese Leinen-Perücken. Die haben die Frauen hier auf der Insel gemacht. Aber irgendwann waren die Dinger zerschlissen, und wir brauchten neue. Da haben wir einen Perückenmacher in Madrid angerufen und soundsoviel Perücken in der und der Größe bestellt. Wird gemacht, hieß es am anderen Ende der Leitung, alles klar. Aber dann rufen die aus Madrid doch zurück: Wie viele, sagten Sie? Und: Wie groß? Wie waren doch, bitte, die Maße? Schön und gut, sie haben es schließlich nicht für einen Witz gehalten und irgendwann kamen dann die Perücken. Sehr schön und sehr neu. Aber sehr schwer. Vorher war das schon anstrengend, die Tanzerei, aber jetzt mit den neuen Perücken aus Madrid, du lieber Himmel.«

 

Und als wüsste er genau, wo der liegt und das Paradies, und wo die sieben Nothelfer sitzen und die Engel frohlockend umherschwirren und die himmlischen Harfen anschlagen - dreht er die Augen nach oben.

 

»Und Du stehst die ganze Zeit da mit nacktem Oberkörper. Stehst auf einem Tisch, und um Dich herum bauen sie Dir den Zwerg an den Körper. Bloß nicht pinkeln müssen, denkst Du. Und auf dem Tisch neben Dir steht meinetwegen der Pepe. Über 20 Mann insgesamt. Und zwei Ersatzleute, die auf den Tischen stehen und sich langsam in Zwitter und Zwerge verwandeln. Und alle denken das Gleiche: Himmelherrgott, lass mich bloß nicht pinkeln müssen. Und überall laufen Leute herum und suchen dies und suchen das, und Du stehst mit den anderen auf den Tischen und wirst langsam zum Zwerg. Und dann musst Du Dich mit irgendetwas ablenken, an sonstwas denken, an Frauen oder die letzten Fußballergebnisse, bloß nicht an dies Zwicken zwischen Deinen Beinen, schließlich musst Du ja die ganze Nacht durchhalten. Tanzen und nicht pinkeln. Und jetzt ist erst Nachmittag.«

 

In den nunmehr 300 Jahren seines Bestehens haben sich aus dem Fest zur »Herabkunft der Jungfrau vom Schnee« verschiedene Momente zu institutionalen Programmpunkten herausgebildet. Szenarios entstanden, die in der Folgezeit weiterentwickelt und - in Stil und Ausdruck - der jeweiligen Epoche angepasst wurden, Figuren-Kompositionen und Auftritte, in denen sich Religiosität und Folklore, Heiliges und Profanes zu charakteristischen und sehr eigenwilligen Mischformen in der Darbietung stilisierten. Der »Dialog zwischen dem Schiff und der Burg« ist in diesem Zusammenhang zu nennen, ein »lebendes Bild«, das ganz gewiss auf die palmerische Seefahrer-Tradition zurückgreift und möglicherweise die Verwundbarkeit des ehemaligen Welthafens, Santa Cruz de La Palma, allegorisch thematisiert und das in einem - uns vielleicht nicht mehr ganz verständlichen - Mysterienspiel die Korrespondenzen zwischen beiden nachstellt: zwischen angreifendem Feind und zu verteidigender Festung, bis ausschließlich die Jungfrau wieder die Inselbewohner rettet; ferner der »Carro alegórico triunfal«, eine Art Passionsspiel, gleichermaßen allegorisch überhöht, vieldeutig; sowie der »loa«, ein feierlicher Gesang junger Frauen zu Ehren der »Jungfrau vom Schnee«; und nicht zuletzt die »Danza de Enanos«, jener berühmte und fernsehwirksame Zwergentanz.

 

»Natürlich ist die ganze Geschichte - « und Antonito zwinkerte mit den Augen, Verständnis einholend, schelmische Übereinkunft, dies ja nicht weiterzusagen; auch dann nicht, wenn es alle wissen - »natürlich ist das ein Secreto palmero, das Palmerische Geheimnis.

 

Die Zwerge, die eben noch auf der Plaza Santo Domingo getanzt haben, treten hinter einen Vorhang, kommen, und zwar umgehend, als Astrologen oder als Athener oder als Dominikaner, je nach Kostüm, wieder hervor. Auch wenn man es sieht, man kann es nicht glauben, auch wenn der Zuschauer das weiß. Du siehst das immer wieder in den Gesichtern des Publikums. Die Leute schauen Dir ja nicht ins Gesicht, sondern sie gucken auf das Zwergengesicht. Aber Du siehst ja hinter der Maske das Publikum. Und wenn dann bei der Verwandlung die erwachsenen und großen Männer hinter den Vorhang gehen und als Zwerge rauskommen, dann glaubt das einfach keiner.«

 

Aus den Texten des Inselchronisten:

 

Eine feine Musik ertönt; aus einem Häuschen an der Plaza Santo Domingo treten zwei Reihen Männer, die in lange und prächtige Gewänder gekleidet sind. Anhand der Gewänder kann der Zuschauer leicht die Identität der Männer erkennen, einmal Studenten, einmal Doktoren, einmal Mönche, Astrologen, Athener. Sie treten vor das Publikum, um ihren traditionellen Lobgesang an die »Virgen de las Nieves« anzustimmen.

 

 

Wir kommen aus fernen Ländern,

wie im Traum sind wir hier angekommen,

friedvoll und Gott liebend,

über die Wellen des Meeres.

Holde Jungfrau vom Schnee,

dir weihen wir unseren Gesang.

Voller Hingabe sehen wir

dich auf deinem Thron regieren.

 

Die Geschichte des Zwergentanzes lässt sich an ihre Ursprünge zurückverfolgen. Ein angesehener Bürger der Stadt, Don Miguel de Salazar y Umarán, 1805 in Santa Cruz geboren, entwickelte die Idee, und um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts traten, zusammen mit den Zwergen, auch Zwerginnen bei der Bajada auf. Diese verschwanden allerdings von der Tanzbildfläche, als 1905 Don Miguel Salazar Petaña den Zwergentanz um das Moment der Verwandlung (transformacion) erweiterte.

 

Und da ist wieder dieses Schmerzhafte um die Augen von Antonio Méndez. Dieses aus der Erinnerung Hervorgekramte:

 

»Früher, als die Polka, der Tanz noch anders organisiert war, da haben auch Frauen mitgetanzt. Die hatten dann den Rock über den Kopf geschlagen und sowas wie ein riesiges Blumengebinde auf dem Zwergenkörper. Aber mit der Verwandlung, so um die Jahrhundertwende, tanzten dann keine Frauen mehr mit. Ich meine, ich will nicht als Macho gelten, das soll man nicht denken von mir, aber ich glaube, Frauen halten das in der heutigen Form nicht aus, die würden in der Mitte glatt auseinanderbrechen. Mal als Beispiel nur, wie mir das mal passierte. Wir fangen also auf der Plaza Santo Domingo an, erstmal ein Tanz fürs Fernsehen, dann, gleich drauf, einer fürs Publikum. Dann geht's runter zu dem Platz am Postamt, dann auf die Plaza de España, an der Kirche, dann die Straße weiter bis runter zum Schiff, bis zur Santa María. Das geht bis in die frühen Morgenstunden. Tanzen. Weiter. Tanzen. Weiter. Nachdem wir die ganze Nacht durchgetanzt haben, sind wir fertig. Erledigt. Völlig erschlagen und geschafft. Und dann kommt ein Lkw von der Stadt und lädt uns auf. Wie Pakete, tak, tak, tak, werden wir auf den Wagen geladen und ins Rathaus zurückgefahren zum Ausziehen. Und das eine Mal, na ja, wie's halt so ist. Großes Hallo und Tamtam, alle waren froh, dass es vorbei war, dass nichts passiert war, das sich keiner versehrt hatte, die Flasche wird herumgereicht, jeder nimmt einen ordentlichen Schluck, jeder redet mit jedem, ein Haufen Leute, der Lkw, der uns auflädt, na ja, und in dem ganzen Gewühl hatte man mich einfach vergessen. Die Eins mit dem Punkt, und da stand ich also. Und da musste ich die ganze Strecke von der Santa María bis zu meiner Wohnung zu Fuß gehen. Bist Du schon mal durch eine Stadt gegangen, wenn Dir die Beine zusammengebunden sind? Hast Du schon einmal versucht, an einem Bordstein runterzukommen, wenn Dir die Beine zusammengebunden sind und auf der anderen Seite wieder hoch? Wie meinst Du, wie groß Santa Cruz ist, wenn Du immer am Bordstein entlang schleichst und eine flache Stelle suchst, wo Du vom Bürgersteig runter auf die Straße kommst und wie lang Straßen sein können, wenn Du auf der anderen Seite eine Stelle finden musst, wo Du wieder hochkommst. Man sagt, Cádiz sei eine große Stadt, Barcelona oder Madrid. Was meinst Du, wie groß Santa Cruz mit zusammengebundenen Beinen ist. Verstehst Du, die haben mich einfach stehen gelassen.«

 

 

EI “Uno“ con el Punto

La Bajada de la Virgen de las Nieves

 

Sus amigos le llaman Antoiñito, aunque Antonio Méndez no es tan pequeño que se le pudiera llamar «enano». Sin embargo, desde que recuerda, él, en Ia tradicional Danza de Enanos en el transcurso de Ia Bajada de Ia Virgen de las Nieves, él es el número uno con el punto, el primer bailarín en Ia fila creciente en Ia altura hacia el final de Ia cola, el marcapasoso, por decirlo así. Antonio Méndez tiene que esforzarse bastante para recordar aquel entonces: desde hace ya 35 años participa en Ia danza de los Enanos, a veces disfrazado de musulmán, otras de astrólogo, y otras de monje dominicano, pero siempre de enano.

 

«Verás», dice con unas lucecitas en los ojos que indican alguna bufonada, algún cuento canario: «El traje de enano, la cabeza, la peluca y el sombrero negro son de propriedad del ayuntamiento. Allí lo guardan, lo arreglan, pues después del baile está todo bastante lesionado. Pero el otro disfraz, el que es necesario para el efecto de la transformación, lo ceden a los bailarines, regalado. Es un gesto noble de la ciudad. ¿sabes? Y desde que tengo este disfraz, y lo tengo ya bastantes años, voy todos los años al carnaval de Tenerife y hago allí de Dominicano, defraile pío.

 

»Y sus ojos, así da Ia impresión, parecen llenar el alto silencioso continuando Ia narración. Porque, al parecer hay cosas que un palmero que tiene estima de sí mismo, no chismorrea así, sin más ni más, y mucho menos a cualquiera.

 

 

 

Del texto del cronista de Ia isla:

 

Hallándose el Ilustrísimo Sr. D . Bartolomé García Jiménez, Obispo de Canarias, en estaisla el afio 1.676, y viendo la gran falta de lluvias que había entonces, informado de la gran devoción que estos naturales tenían a la Virgen de Las Nieves, dispuso se trajese a esta Ciudad con motivo de esta calamidad y que se celebrase aquel año Ia octava de Candelaria con dicha santa imagen. Dicho Iltmo. Costeó el gasto de tres días, y los demás se repartieron entre varios devotos; y viendo Ia decencia del acto y veneración con que se celebró dicha octava; juzgó sería conveniente que dicha Santa Imagen se trajese cada cinco afios a esta iglesia parroquial de la Ciudad para Ia celebración de dicha octava por el mes de Febrero, repitiéndose el devoto culto con que se celebró en el año 1.676, y que comenzase el quinquenio en ell.680, y de allí en adelante y porque era preciso que hubiese personas que supliesen el gasto de Ia cera, se ofrecieron a costearla perpetuamente varias personas de piedad y arraigo de esta Ciudad, siendo el primer día del Ayuntamiento, y el último del Sr. Jiménez.

 

…Ia universal devoción que profesaban los palmeros a Nuestra Señora de Las Nieves, cuyo patrocinio imploraban de tiempo inmemorial en los conflictos de volcanes, falta de lluvias, epidemias… en 1.646 por el volcán de Tigalate, en 1. 949 por el volcán de Cumbre Vieja, en 1.678 por el segundo volcán en Fuencaliente, en 1.659 por Ia plaga de Ia langosta (Ia última en los años 50 de nuestro siglo - anotación del escritor), el 25 de abril de 1. 770 por el incendio de Ia ciudad…

 

La Bajada de La Virgen se celebra hoy en día de 5 en 5 años en el mes de junio. «Al baño por última vez», Antonio hace un gesto hacia Ia bragueta marcando el paso como si sufriera de cierta necesidad. «Cuando suena este aviso, o sea, cuando en el día de la danza de los Enanos, podemos ir por última vez al baño, son las dos o tres de Ia tarde. Y después nada, hasta las tempranas horas de la madrugada: nada en absoluto.» La cara de Antonio Méndez que, hace poco participó disfrazado de monje dominicano en el carnaval tinerfeño, toma un aspecto casi doloroso. EI recuerdo de las incontables horas y de las muchas veces cuando él, el número uno con el punto, como enano bailaba aplaudido y admirado a traves de Ia cuidad, dando cualquier cosa por poder ir en tranquilidad y calma al servicio. (¿El conocerá el poema de Allen Ginsberg en el cual alguien recorre un museo en desesperada búsqueda de un retrete? No, no lo conoce. Pero, de esto se puede estar seguro: conoce el mismo tormento. No importa, solo era una pregunta accidental.) «0 sí, y después de ir al baño, empieza el complicado procedimiento de vestirse de nuevo. Eso tarda horas infinitas, hasta que las piernas, rodillas hacia arriba están atadas; hasta que el cuerpo enano está modelado alrededor de los muslos y el vientre; hasta que el disfraz queda justo y el chaleco; hasta que Ia cabeza esta ajustada y la pesada peluca sujeta.» Y como Antonio mismo se hubiese dado la palabra clave, le viene a la memoria aquello de las pelucas, una historia en Ia historia, un cuento de muñecos produciendo más muñecos. Pero esta vez con pelucas.

 

«Bueno, antes tuvimos esas pelucas de hilo de lino que hacian las mujeres de aquí. Pero llegó el momento de haberse desgastado y necesitabamos unas nuevas. Así que llamamos a un peluquero en Madrid pidiendo equis pelucas de las correspondientes medidas. «Eso está hecho», respondieron al otro lado del hilo, «todo arreglado.» Pero después de un lapso de tiempo volvieron a llamarnos desde Madrid: ¿Cuántas dijo usted? Y ¿De que medidas?» Bien, al final no lo tomaron a broma. Y las pelucas llegaron. Muy bonitas y muy nuevas. Pero tambien muy pesadas. Antes era ya bastante fatigoso eso de la danza, pero ahora con las nuevas pelucas de Madrid ... Santo Cielo!»

 

Y como si supiera exactamente dónde se encuentra eso - y el paraíso y dónde se encuentran los siete Salvadores y los ángeles vuelan dando gritos de júbilo y las arpas celestiales suenan - gira los ojos hacia el cielo.

 

«Y tú estás allí, encima de una mesa, el cuerpo mitad arriba desnudo. Que no se te ocurra sentir ganas de orinar, piensas por tí. Y en la mesa de allado está, digamos, Pepe. En total aguardan más de 20 personas y dos suplentes en las mesas para transformarse poco a poco en algo híbrido y enano. Y todos piensan lo mismo: Buen Dios, que no sienta deseos de orinar. Y en todas partes está corriendo gente buscando esto y lo otro, y tú y tus compañeros inmóviles en las mesas, transformandose lentarnente en enanos. Entonces tienes que distraerte con algo, pensar en cualquier otra cosa, en mujeres o los últimos resultados de fútbol, menos en el picor entre las piernas, al fin y al cabo tienes que aguantar toda la noche. Bailar y no orinar. Y ahora es sólo la tarde, apenas pasadas las horas de mediodía.»

 

 

 

En los 300 años de la Bajada de La Virgen de Las Nieves, ciertos momentos cristalizaron como puntos institucionales del programa en el transcurso de la fiesta. Surgieron escenarios que se desarrollaron con el curso del tiempo y que se adaptaron en forma y expresión a la época correspondiente. Composiciones de figuras y actuaciones, en las cuales se estilizaron religiosidad y folklore, lo sagrado y lo profano a formas mezcladas, características y muy suyas y extrañas. Aquí entra, por ejemplo, el diálogo entre barco y castillo, un cuadro vivo: repetición de la .leyenda, como en muchos otros autos sacramentales, imitando, quizás no muy comprensible para nosotros hoy por hoy, la correspondencia entre el enemigo atacando y la fortaleza intentando proteger la isla. Hasta que al final es la Virgen, otra vez, la que salva a los naturales de la isla; de igual modo el Carro Alegórico Triunfal, una especie de Misterio de la Pasión, igualmente de sentido polifacetico y amanerado alegóricamente. 0 la loa alabando a la Virgen de Las Nieves, y, no en último termino, la Danza de Enanos, famosa y mostrada con eficiencia en la retransmisión televisiva.

 

«Por supuesto, todo esto...» y Antonio hace guiños como señal de mutuo acuerdo, ... quedaría entre nosotros, nadie se enterará, aunque todo el mundo lo sabe ya... «Por supuesto, todo esto es un secreto palmero. Los enanos que acaban de bailar hace un rato en la plaza Santo Domingo, entran por detrás de un telón y salen al instante vestidos de astrólogos, de atenienses o de frailes dominicanos. Aún sabiéndolo, es increíble; incluso sabiéndolo la multitud de espectadores. Cada vez, tu lo ves reflejado en las caras del público. Es que la gente no mira tu cara, sino la cara del enano. Pero tú sí que ves por detrás de tu máscara al público. Y cuando estos hombres mayores y altos con el fin de transformarse, desaparecen detrás del telón y reaparecen en seguida con tam ño y aspecto de enano, sencillamente nadie lo cree.»

 

 

 

De los textos del cronista de la isla:

 

Suena Ia música, y a su són, salen a través de una pequeña caseta de dos puertas, dos hileras de hombres, ataviados de largas túnicas, que por sus dibujos, nos dejan conocer Ia personalidad de quienes las visten, un año han sido estudiantes, otro doctores, otro astrólogos, cada año son distintos los personajes, que vienen a ofrecer sus cantos a Ia Virgen de Las Nieves:

 

Desde remotos confines

hemos venido soñando,

con la paz a Dias amando,

sobre las ondas del mar,

Y a la Virgen de Las Nieves,

nuestra loa le ofrecemos

porque con fervor queremos

verla en su trono reinar.

 

La historia de Ia Danza de Enanos puede remontarse hasta sus orígenes. Un noble ciudadano de Santa Cruz, nacido allí en 1.805, don Miguel de Salazar y Umarán, desarrolló la idea, y a mediadas del siglo pasado actuaban junto con los enanos, en Ia Bajada de La Virgen, también enanas. Sin embargo, éstas desaparecieron cuando en 1. 905 don Miguel de Salazar Pestana enriqueció al baile con el detalle de Ia transformación. Una vez más, los ojos de Antonio Méndez muestran esa expresión de dolor. De sus recuerdos suscita:

 

«Antes, cuando Ia polka, el baile fue organizado distintamente, también participaban mujeres. Llevaban entonces sus faldas dobladas por encima de Ia cabeza y con una especie de guirnalda de flores en su cuerpo de enanas. Pero con esto de Ia transformación allá por el fin del siglo pasado, ya no bailaban las mujeres. Creo, y esto lo digo sin que nadie me tarne por machista, opino de veras que en Ia forma actual las mujeres no resistirían, se partirían, así de sencillo, en dos. Por ejemplo, lo que me pasó una vez a mi: Bueno, empezabamos a bailar en Ia plaza Santo Domingo, primero para Ia televisión, seguidamente otra vez para el público. Luego bajamos a Ia plaza junto al Correo, de allí a Ia plaza de España. Seguimos hasta el barco, Ia Santa María. Y así continuamos hasta Ia madrugada. Bailar, seguir, bailar, seguir…

 

Después de haber bailado toda Ia noche, estábamos listos, completamente agotados, rendidos y hechos una calamidad. Y entonces llega un camión municipal para recogernos. Nos cargan al camión igual que unos paquetes - tac, tac, tac - nos suben al coche para conducirnos al Ayuntamiento dónde nos quitan el disfraz. Pues ya sabes como es eso. Y entonces, aquella vez, al acabar y nosotros esperando que nos suban al camión - mucho jaleo y alboroto, alegría por haber terminado, contentos de que no haya pasado nada, que ninguno de nosotros se haya herido. La botella circula, cada uno toma un buen trago, hay tanto que hablar. Un montón de gente. EI camión y no sé que, no sé cuanto; y, pues, en toda esta barullenta confusión se habían olvidado, así como lo oyes, sencillamente, de cargarme al camión. Así que allí me quedaba yo. EI número uno con el punto. Me habían, así de simple, olvidado a mí. Por lo tanto tenía que caminar, andando a mi casa. ¿Cruzaste alguna vez una ciudad a pie y con las piernas atadas? ¿Intentaste alguna vez bajar de Ia acera con las piernas atadas y subir de nuevo al otro lado? No te imaginas lo enorme que es Santa Cruz de La Palma, esforzándote por andar a pasitos fastidiosos a lo Iargo del ensintado reborde, buscando un sitio más bajo para poder dejar Ia acera, y lo interminables que pueden ser las calles si te ves obligado a buscar en el otro lado un lugar bajo para subir otra vez. Dicen que Cádiz, Madrid o Barcelona son ciudades grandes. Que te crees tú de lo agónica que es Santa Cruz con las piernas atadas! ¿Entiendes? Simplemente se habáan olvidado de mí.»

 


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