Ulrike Voss: Rebeccas Küsse

Rezension


Voss ist mit Rebeccas Küsse ein frischer, unterhaltsamer, auch anregender Roman gelungen. Ein Roman, der seine nachdenklichen Passagen hat, der Zwiespalt, in dem die Autorin ihren Protagonisten schickt und der sie immer stärker in eine Geflecht aus Lügen und Ausreden einbindet, zwingt diese dazu, ihr Leben zu überdenken. Die Handlung ist in der Jetzt-Zeit angesiedelt und nah am Leben geschildert, junge Frauen (aber nicht nur diese!) in ähnlicher Lage können sich in Julia und ihrer Situation durchaus wiederfinden – unabhängig von der sexuellen Orientierung (Liebe ist schließlich Liebe). Wer sich schon einmal in einer ähnlichen Situation wie Julia befunden hat, wird sich in deren aufgewühlter Gefühlslage gut einfühlen können.

 

Die erotischen Szenen, die Voss anfänglich als Chat beschreibt, kann man nicht als raffiniert bezeichnen, sie kommen schnell zur Sache und benennen sie mit klaren Begriffen und Aufforderungen. Aber ok, auch ein Quickie hat schließlich seinen Reiz. Im zweiten Teil des Romans ändert sich die Art der Beschreibung und wendet sich vom Dirty Talking ab zugunsten einer subtileren Darstellung der erotischen Szenen, die aber keineswegs als Selbstzweck fungieren, die sich im Gegenteil harmonisch in den Zusammenhang der Handlung einpassen.

 

[Meine Beschwerde über das Ende hindert mich nicht daran], Rebeccas Küsse insgesamt als gelungenen Roman zu beschreiben, der gerade auch unter dem Aspekt des Erotischen aus dem, was der Buchmarkt auf diesem Sektor heute vorwiegend bietet, deutlich herausragt. Einen Dank auch an Claudia Gehrke, die mit ihrem konkursbuch Verlag immer wieder solche literarische Erotik anbietet.

 

(aus.gelesen)