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Ob  Cassandra oder Odysseus, Agamemnon oder Iphigenie – alle Figuren 
erscheinen verändert und sehr viel weniger heroisch, als wir sie zu kennen glauben. 

Odys spielt gerne, treibt sich an verschiedenen Höfen herum und hat einen dubiosen Ruf. Helen ist es leid, nur Beiwerk eines groben Mannes zu sein und die Rolle der Schönsten zu spielen, sie möchte ausbrechen. Als Paris, der schönste von Cassandras Brüdern, den Hof in Sparta besucht, nimmt eine Kette von Ereignissen ihren Lauf … Und Odys will wissen, was sich bewegen lässt. 

Was als Spiel beginnt, wächst sich aus zur „Mutter aller Schlachten“.
Cassandra sieht klar, was sich anbahnt – politische Blindheit, persönliche Eitelkeiten, ein Krieg, der nicht verhindert werden will. Cassandra ist in Wertheimers Roman nicht die verfluchte Seherin der Überlieferung, sondern eine junge Frau mit Verstand, Beobachtungsgabe und dem Mut, das Offensichtliche auszusprechen. Sie begreift, dass Wahrnehmung allein nicht genügt, wenn niemand bereit ist zuzuhören, und mischt sich ein.
Am Strand begegnet sie Odys – der zum ersten Mal auf jemanden trifft, der ihm intellektuell ebenbürtig ist. Sie werden zu Liebenden und Komplizen im Versuch, den festgefahrenen Krieg um Troja zu beenden.
Erstaunlich kreativ formiert sich dieses ungleiche Paar zu einem Bündnis:
um den Krieg zu beenden – und in den Trümmern Trojas die Odyssee neu zu schreiben. In einer Welt, in der Männer Geschichte schreiben und Frauen darin vorkommen, wird Cassandra zur Mit-Autorin.

Diese Neuerzählung verschiebt den Blick: weg von Göttern und Pathos, hin zu Menschen, Motiven und blinden Flecken. Selbst scheinbar bekannte Figuren, an denen überraschend aktuelle Themen verhandelt werden, erscheinen neu.
Iphigenie als Teenager, die Wärme nicht bei den Eltern, sondern im Essen findet. Ihre Mutter Klytämnestra, die sich mit Kräutern und Säften berauscht und damit ihr eingeengtes Leben ausweitet. Penthesilea als kontrollierte Kampfmaschine, deren Leidenschaft sich jedoch nicht zähmen lässt.
Und natürlich Helena als Frau, die den Druck verkörpert, ein optisch perfektes Bild von sich aufrechterhalten zu müssen.