Sigrun Casper: Unterbrochene Schienen

Pressestimmen


So, als säße man mittendrin, beschreibt sie auch die weltoffene bunte Athmospäre im legendären Pressecafé. Am Nachmittag des 31. Dezember 1961 verlässt Sigrun Casper die DDR mit dem Pass einer Schweizerin. Wie sich diese Flucht im Detail abgespielt hat, liest sich spannend wie ein Krimi.

 

1967 traut sie sich zum ersten Mal wieder auf die andere Seite. Wird sechs Stunden im Polizeipräsidium Alexanderstraße festgehalten und darf dann doch zu den Verwandten. Später fährt sie öfter hin, mit zwiespätlltigen Gefühlen. Überlegt vorher genau, was sie anzieht. Will nicht angeben, keine Vorurteile bedienen, keinen Frust auslösen...

 

In den Geschichten werden die Risse und Brüche deutlich, die von der Teilung herrühren. Um Notlügen geht es, um Versteckspiele, um Trotz und Trauer. Auch darum, dass der Westen keineswegs nur golden war.

 

Ihre sensiblen Beobachtungen kleidet die Autorin in klare schöne Sätze.

 

Tagesspiegel, 17.7.09


 

"Mit sehr persönlichen Texten blickt die Autorin auf deutsch-deutsche Geschichte im geteilten Berlin zurück. In chronologischer Folge erinnert sie sich – an die Zeit als junge Verkäuferin in der Ostberliner Bücherstube, einer Oase der Bürgerlichkeit mit interessanten Begegnungen (z.B. Helene Weigel), die aufregende Flucht im Dezember 1961 mit dem Pass einer Schweizerin …

 

Mit Einfühlungsvermögen und viel Verständnis für die Situation im Ostteil schildert sie ihre zahlreichen Verwandtenbesuche als Westtante. Die Sammlung wird durch Gedichte und Miniaturen über Kunstwerke abgerundet und zeigt so die Vielfalt der künstlerischen Handschriften der Autorin. ... Die Umschlaggestaltung (Mauer-Graffiti) lässt vermuten, dass der Verlag auch jugendliche Leser erreichen möchte ."

 

(Eleonore Gottelt, ekz-Informationsdienst)


"...kleine alltägliche Geschichten aus der Zeit des Mauerbaus bis hin zur Grenzöffnung. Casper erzählt von einer Verkäuferin in der Deutschen Bücherstube und ihren Kunden aus dem Berliner Ensemble, vom Pressecafé, von der Galerie Konkret – und lässt so den Alltag in der geteilten Stadt Berlin wiederaufleben. Ihre Sprache ist dabei alles andere als wehmütig, sondern ohne Schnörkel und Nostalgie.

 

Casper ruft Erinnerungsbilder wach von Orten, die es heute nicht mehr gibt. Dabei ist sie manchmal fotografisch akkurat, etwa wenn es um die Bestuhlung des Pressecafés, die Höhe seiner Wände oder die Beschreibung von Gemälden geht.

 

Ein Buch, das die kleinen Geschichten der Teilung schildert – und ganz nebenbei eine wunderbare Hommage an die Stadt Berlin ist."

 

(Marina Himmer, Wochenendmagazin. Main-Echo vom Samstag/Sonntag, 18./19. Juli 2009)


"...Sigrun Casper [bleibt] in ihren episodenhaften Ost-West-Geschichten authentisch. Was nicht heißt, dass ihre Geschichten streng und schwergewichtig sind. Im Gegenteil: gleich ob die Erlebnisse als Verkäuferin im Kunsthaus mit Helene Weigel, Ekkehard Schall und Karl Eduard von Schnitzler oder die Abenteuer als „Grenzschmugglerin“, die eine Schreibmaschine in den Osten bringen will, alle sind so leicht und locker und spannend erzählt, als wären sie erfunden. Die Autorin beherrscht die Kunst der genauen und oft humorvollen Beschreibung selbst bei der Schilderung ihrer DDR-Flucht als „verkleidete Schweizerin“ und den späteren Begegnungen mit den „Grepos“ an der DDR-Grenze.

 

Dabei - und das macht den Wert dieses Buches aus - verfällt sie niemals in das Klischee der Häme oder der Abrechnung. Sie doziert auch nicht mit erhobenem Zeigefinger über DDR-Unrecht und arbeitet nicht im Stil der „Gauck-Behörde“ die Vergangenheit auf. Sie beschreibt aber das Leben, den Alltag derart souverän und konkret, dass der „gelernte DDR Bürger“ schmunzelnd und wütend und nickend und kopfschüttelnd sagen kann: 'Ja, so wars!'" (Landolf Scherzer, Thüringer Landeszeitung)


 

"Sigrun Casper erzählt voller Selbstironie warmherzige Geschichten über Ost und West aus der Zeit der Mauer. Geschichten über die Komik und Bedrohlichkeit von Grenzübertritten – über Besuche der Ostverwandtschaft und über das „Erkennen“, ob jemand aus Ost oder Westdeutschland ist … Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall berühren uns individuelle Fluchtgeschichten, weil sie zeigen, mit welchem Einfallsreichtum Menschen versuchten, dem real existierenden Sozialismus zu entkommen." (ZeitPunkt, Mai 2009. Redakteur: Christian Nóvé)