40 Jahre konkursbuch


Pressemitteilung

Pinke Luftballons vor blauem Himmel, mit Aufschrift "40 Jahre konkursbuch Verlag" (Quelle: pexels.com, CCO License)

20.03.2018

Am 1. April 2018 wurde der konkursbuch Verlag vierzig Jahre alt. Rund 666 Bücher hat Claudia Gehrke seit 1978 publiziert, darunter die preisgekrönten von Yoko Tawada (Auszeichnungen u.a. Goethe-Medaille, Chamisso-Preis, Kleist-Preis und Carl-Zuckmayer-Medaille) und Thriller von Regina Nössler (über die Thomas Wörtche kürzlich im Deutschlandfunk formulierte: "Selten wurde subtiler Horror so leise und so gekonnt erzählt ... das Buch ist mehr als spektakulär, ein absolutes Schwergewicht!") Der Verlag selbst erhielt 2011 den baden-württembergischen Landespreis für literarisch ambitionierte kleinere Verlage. Warum? Konkursbuch-Titel sind unberechenbar, idenreich und passen in keine Schublade.

Warum „Konkursbuch Verlag“? Für den ungewöhnlichen Namen gibt es mehrere Erklärungen: Der Verlag schöpfte bei seiner Gründung am 1. April 1978 aus der „Konkursmasse“ der 68er-Bewegung. Das lateinische Verb „concurrere“ bedeutet zusammenlaufen, aufeinanderstoßen – und im Konkursbuch Verlag laufen viele Strömungen, Ideen und Geschichten zusammen.  

Die erste Publikation, aus der der Verlag hervorging, war eine literarisch-politische Zeitschrift, das „konkursbuch“. Im Sommer 2018 wird die 55. Ausgabe erscheinen. Der Titel ist auch eine Anspielung auf das bekannte und für die 68er wichtige „Kursbuch“. Doch statt für direkte ideologische und politische Kurse und vorgezeichnete Wege interessiert sich das „konkursbuch“ vor allem für Umwege und Abschweifungen. 

 

Der Verlag ist über die Jahrzehnte gewachsen wie ein Baum: die Wurzeln sind noch vorhanden, die Äste haben sich verzweigt. Aus dem konkursbuch 6 zum Thema Erotik entstand das erotische Jahrbuch „Mein Heimliches Auge“, aus dem wiederum die Buchreihe „Liebesleben“ mit Romanen und Erzählungen hervorging sowie eine Serie großformatiger Bücher mit erotischer Fotografie. In der Reihe mit „allgemeiner Belletristik“ gibt es eine kleine Abteilung mit Thrillern, deren Titel nicht dem Mainstream folgen.

"Mein heimliches Auge" & Co.

Seit über 30 Jahren gibt es das erotische Jahrbuch „Mein heimliches Auge“. Die Jahrbücher sind eine Collage aus Erzählungen, Sachtexten und Kurzessay, Lyrik, Berichten aus dem Leben, Interviews, Fotos und Zeichnungen. Das Besondere der „Augen“ kommt im ironischen Beschwerdebrief eines Rezensenten deutlich zum Ausdruck:

 

„Liebe Herausgeberin, lieber Herausgeber, das heimliche Auge hat doch für ein Bilderbuch viel zu viel Text, für Feministinnen zu viele Schwänze, für Schwule zu viele Frauen, für Lesben zu viele Männer, für Romantiker gibt’s zuviel Schmerz, für Sadomasochistinnen zuviel Herz! Veröffentlichen Sie doch mal was, das in irgendwelche Schubladen passt!!!“

 

Das „Heimliche Auge“ kämpft seit der ersten Ausgabe für die Aufhebung der Schubladen. Es war „queer“, bevor es das Wort überhaupt gab,  bewegt sich wie das Verlags-Programm zwischen den Schubladen und ist hetero, lesbisch, schwul  und mehr *** Seite Ende der 1980er Jahre wurde Claudia Gehrke (und wird noch immer) als Fachfrau auf Hearings, zu Vorträgen, Podiumsdiskussionen und in Sender eingeladen. In den 1990er Jahren geriet das „Heimliche Auge“ ins Visier einiger Privatverfolger, Staatsanwälte und der Bundesprüfstelle – es wurde jedoch sowohl bei der Bundesprüfstelle wie in den Prozessen überzeugend als Kunst gewertet. Diese Prozesse allerdings brachten den Verlag ökonomisch an seine Grenzen.

 

Die inzwischen 32 Ausgaben umfassende Reihe ist längst auch zu einem kulturgeschichtlichen Archiv geworden: Gesellschaftliche Veränderungen werden hier sichtbar, oft bevor sie als „Welle“ in den Medien auftauchen. Als Ableger des „Heimlichen Auges“ entstanden die Jahrbücher „Mein Lesbisches Auge“ (seit 1998) und „Mein Schwules Auge“ (seit 2003); beide etablierten sich rasch als wichtige Foren lesbischer und schwuler Kultur.

 

Ursula März schrieb in der Zeit über die ästhetische Geradlinigkeit von  „Mein heimliches Auge“,  es sei„ein Fels in der Brandung“ auf- und abbrandender Medienwellen zum Thema .

iDEEN STATT kENNZIFFERN

Viele der rund 666 Titel sind lieferbar.

 

Anders als in größeren Verlagshäusern orientiert sich das Programm des Konkursbuch Verlags nicht an wirtschaftlichen Kennziffern, sondern an Ideen. Hier zählen auch die Bücher, die es nicht auf die Bestsellerlisten schaffen, auch die Autor*innen, die keine Auszeichnungen des Kulturbetriebs erhalten. Und auch ältere Bücher halten wir lieferbar.

 

Im belletristischen Programm des Verlags geht es um Grenzüberschreitungen aller Art: zwischen Sprachen und Kulturen, zwischen Geschlechtern, Sexualiäten, Altern, zwischen Bild und Text,  es geht um Unheimliches, das in den Alltag einbricht, und um das Verzaubernde erotischer Momente.

"Oft einen Schritt voraUS"

Im Konkursbuch Verlag erscheinen seit 1987 auch die Werke von Yoko Tawada. Ihre Bücher wurden mittlerweile in viele Sprachen übersetzt, und die Autorin, die seit den 1990er Jahren zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat ist längst zu einer wichtigen Stimme nicht nur der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geworden. 

 

Weitere Schwerpunkte des Verlags sind die Übersetzungen von kanarischer und koreanischer Literatur, Reiselesebücher, in denen die Welt von Reisenden und Inselbewohnern zusammenkommen, sowie Krimis und Thriller.

 

Im Jahr 2011 erhielt der Verlag den baden-württembergischen Landespreis für literarisch ambitionierte kleinere Verlage. Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt:


„Die verlegerischen Entscheidungen orientieren sich nicht am Mainstream, sondern sind gesellschaftlichen Entwicklungen oft einen Schritt voraus. […] Der Verlag geht dabei neue interessante Verbindungen zu anderen Kultur- und Sprachkreisen ein. Hervorzuheben ist die jedem Titel angemessene, künstlerisch und handwerklich sichere Buchgestaltung“.


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Pressekontakt

Florian Rogge
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 07071 - 66551
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